Sehr geehrte Damen und Herren,

wie Sie sehen, sehen Sie nichts. Grund dafür? Das Semesterende.

Es ist Sommer, warm (naja…zumindest war es das noch vor kurzem) und im Regelfall schönstes Wetter. Die Seen, Stadtstrände, Parks und Wiesen sind voll mit grillenden Menschen, sowohl aktiv als auch passiv. Überall Freude, Lachen und ausgelassene Abende mit tollen Unterhaltungen – nicht so in einer Uni-Stadt. Hier sind die Gassen leer, die Wiesen nur mau bedeckt und ein Lachen hört man nur von den Alteingesessenen Herrschaften aus der Kneipe an der Ecke, die sich für was besseres als ein Studium entschieden haben. Diese gähnende Stille und beängstigende Leere hat nur ein jähes Ende. Ein Ort in der Stadt sticht aus der Norm – die Bibliothek!

So reihen sich BWL Studenten, neben Germanistikleuten, Pharmazeuten, Kommunikationswissenschaftlern, Musikern, Politikern und Juristen – wobei, nein. Letztere Spezies sammelt sich in ihrem eigenen Lernsaal. Abgesondert vom weiteren Pöbel (hiermit will ich keinen angreifen). So sitzen nun alle Studenten wie in einer Legebatterie in einem Raum an dem der kondensierte Schweiß schon von der Decke tropft und versuchen sich Theorien über Bourdieu, Goethe, irgendwelche schlauen Rechnungen, Paragraphen oder ähnliches in das Gehirn reinzustampfen mit nur einem Ziel – bestehen. Wie ist erstmal zweitrangig, Hauptsache durch. Und kaum aus der ersten Klausur raus, wird das gesamte Wissen beseitigt, damit das neue Wissen über andere Theorien in dem sowieso schon vollem Gehirn Platz findet. Bulimielernen nennt man das im hochschulwissenschaftlichen Fachjargon. Doch ist das eigentlich Sinn einer Universität? Lernen, um es wieder auszukotzen.

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Wie viele Theorien habe ich schon gelernt, wie viele Studien auswendig herunter predigen können und nichts davon behalten? Unendlich viele. Und wenn dann Dozenten jedes Semester aufs neue ankommen und sagen: „Bitte wertet das dann mit Statistikprogramm aus, das nehmen wir dann nicht nochmal durch. Das hatten Sie ja schon vor 3 Semestern in einem Statistik-Auswertungs-Kurs.“ Der an einem Wochenende in Form eines Blockseminars stattfand. Acht Stunden pro Tag. Statistik-Auswertung.

Ich glaube nicht, dass das Problem daran liegt, dass die Studenten einfach alle zu faul, zu antriebslos oder zu desinteressiert geworden sind. Alle schreien immer: früher war alles besser, alles war anders. Damals haben Studenten noch dazu beigetragen, dass die Gesellschaft innovativ nach vorne geht und heute? Feiern, feiern, feiern – Nein! Falsch! Den Studenten geht es super, es ist das Bildungssystem in dem sie feststecken. Immer mehr Jugendliche absolvieren ihr Abitur, wollen studieren (weil man das halt so macht) und die Unis müssen dann gucken, wo die ganzen Neuankömmlinge unterkommen sollen. Also gibt es überfüllte Räume, Blockseminare und einen Bachelor, damit bitte alle Studierende wieder ganz schnell verschwinden. Es muss ja schließlich Platz geschaffen werden für Neue. Und so lernt man nur noch auswendig, schlägt sich den Stoff in den Kopf und schlägt es eine Minute nach Klausurende wieder aus dem Kopf heraus. Nachhaltiges Weiterbilden ist das nicht. Und neben den ganzen Seminaren, Referaten, Hausarbeiten und Klausuren, soll mir bitte mal ein Professor, Generationskritiker oder ähnliches erklären, wann sich Studenten dann noch Gedanken um die Weltrettung bzw. -verbesserung machen sollen.

So und nun geh ich mal wieder auskotzen. Ich brauche Platz für die neue Theorie von xy für die nächste Klausur. Auf ein ertragreiches Bulimielernen!

Adieu,

Leonie ❤

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